Höhere Netzentgelte, neuer CO2-Preis: Gaspreise steigen 2021 wieder

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Höhere Netzentgelte, neuer CO2-Preis: Gaspreise steigen 2021 wieder

Höhere Netzentgelte, neuer CO2-Preis: Gaspreise steigen 2021 wieder

19.10.2020 | 08:18

Pressemitteilung Text: Verivox

Heidelberg. Verbraucher in Deutschland müssen im kommenden Jahr mit höheren Gaskosten rechnen. Neben steigenden Gasnetzgebühren wird der neue CO2-Preis zusätzlich belasten. Günstigere Großhandelspreise könnten den Preisanstieg für private Verbraucher ein wenig dämpfen.

Keine Entlastung bei den Gasnetzentgelten

Die Gebühren für die Gasnetze werden im Jahr 2021 im bundesweiten Durchschnitt um zwei Prozent ansteigen. Für einen Musterhaushalt in einem Einfamilienhaus (20.000 kWh) bedeutet dies Mehrkosten von rund 8 Euro im Jahr. Regional gibt es jedoch große Unterschiede. So steigen die Gasnetzentgelte in Berlin und Brandenburg um jeweils rund 8 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen verteuern sich die Kosten für die Durchleitung von Gas um rund 3 Prozent. In drei Bundesländern werden die Netzentgelte günstiger: im Saarland um rund 4 Prozent, in Bremen und Hamburg um jeweils rund 2 Prozent.

CO2-Ausstoß kostet ab 2021 Geld

Neben den steigenden Netzentgelten wird ab dem 1. Januar 2021 der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid mit einem CO2-Preis in Höhe von 25 Euro pro Tonne belegt. Für einen Musterhaushalt in einem Einfamilienhaus bedeutet das eine Mehrbelastung von 108 Euro.

Gesunkene Großhandelspreise können den Preisanstieg nur dämpfen

Einen preisdämpfenden Effekt könnte hingegen die Entwicklung an den Rohstoffmärkten haben. So sind die Großhandelspreise seit Jahresbeginn deutlich gesunken. Der Importpreis, der vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) erhoben wird, ist seit Januar 2020 um mehr als ein Drittel gefallen.

„Wir rechnen damit, dass die Gaspreise im kommenden Jahr wieder deutlich anziehen“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox. „Reichen die Versorger die gestiegenen Netzentgelte und den CO2-Preis in voller Höhe an ihre Kunden weiter, würde sich Gas im kommenden Jahr sogar um rund 11 Prozent verteuern. Die gesunkenen Beschaffungskosten geben jedoch Spielraum, Preiserhöhungen nicht ganz so hoch ausfallen zu lassen.“

Methodik

Für die durchschnittlichen Gaskosten wurden die Werte des Verivox-Verbraucherpreisindex Gas herangezogen, der die Preise der örtlichen Versorger und der wichtigsten überregionalen Anbieter berücksichtigt. Die Grenzübergangspreise wurden vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) übernommen. Für die Entwicklung der Netznutzungsentgelte 2021 wurden die vorläufigen Veröffentlichungen der Verteilnetzbetreiber betrachtet. In die Betrachtung flossen 84 Prozent der deutschen Gasversorgungsgebiete ein.


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CO2-Ausstoß in Deutschland rückläufig

Die Energiewende hat den Treibhausgas-Ausstoß in Deutschland Experten zufolge im vergangenen Jahr auf ein Rekordtief gedrückt. Im Vergleich zu 1990 seien die CO2-Emissionen um etwa 35 Prozent gesunken, heißt es in der Jahresauswertung der Denkfabrik Agora Energiewende, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Damit sei das 40-Prozent-Ziel für das nun laufende Jahr überraschend doch wieder «in greifbarere Nähe» – bisher gingen Bundesregierung und Umweltschützer davon aus, dass das nichts mehr werden kann.

Saubere Stromproduktion

Der Rückgang von mehr als 50 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) im Vergleich zum Vorjahr gehe allerdings nur auf die Stromproduktion zurück. Die Erneuerbaren Energien – also Wind-, Solar- und Wasserkraft sowie Biomasse – hätten einen Rekordanteil von 42,6 Prozent des Bruttostromverbrauchs gedeckt, heißt es in der Auswertung weiter. Der gestiegene CO2-Preis der EU für die Energiewirtschaft habe die klimaschädliche Stromgewinnung aus Stein- und Braunkohle weniger rentabel gemacht, sie sei deswegen stark zurückgegangen. Die Stromproduktion aus Erdgas habe deutlich zugelegt. Erdgas ist zwar auch ein fossiler Brennstoff, aber weniger klimaschädlich als Kohle.



Verbrauch von Diesel und Benzin gestiegen

Im Verkehr dagegen seien die Treibhausgas-Emissionen sogar gestiegen – auch wegen des SUV-Trends. Diese Fahrzeuge sind groß und verbrauchen vergleichsweise viel Sprit, ihr Absatz steigt trotz der Klimaschutz-Debatte in Deutschland stark. Der Verbrauch von Diesel und Benzin nahm 2019 zu. Dasselbe gilt für Heizöl – dabei spielte nach Einschätzung von Agora-Direktor Patrick Graichen aber eine große Rolle, dass Heizöl-Tanks auf Vorrat gefüllt wurden.

Die bisherige nationale Klimapolitik von Union und SPD hat nach Einschätzung Graichens wenig bis nichts mit dem Fortschritt im Klimaschutz zu tun: «Das ist ihnen in den Schoß gefallen», sagte er. Der Stromverbrauch erreichte Agora Energiewende zufolge im vergangenen Jahr den niedrigsten Stand seit der Jahrtausendwende. Das liege aber am geringeren Wirtschaftswachstum und der konjunkturellen Lage der energieintensiven Industrien, etwa des Stahlsektors.

Experte: Ökostrom-Lücke droht

Zudem warnte Graichen, dass mit den Rekordmeldungen aus dem Ökostrom-Bereich bald Schluss sein dürfte – stattdessen drohe eine «Ökostrom-Lücke». Ein Grund: Der Anteil an Atomstrom lag 2019 noch bei 12 Prozent, zum Ende des Jahres ist das AKW Philippsburg vom Netz gegangen. Ende 2022 soll der Atomausstieg abgeschlossen sein. Außerdem soll etwa beim Verkehr Strom – und zwar Ökostrom – zunehmend Mineralöl als Antrieb ersetzen.

Betrachtet man nicht den Stromverbrauch, sondern den gesamten Energiemix, haben die erneuerbaren Energien bisher nur einen Anteil von knapp 15 Prozent. Da zugleich der Ausbau vor allem von Windrädern nicht mehr so schnell vorankommt, wie Energiewende-Experten es für notwendig halten, könne Kohlestrom den Atomstrom teilweise ersetzen – zulasten des CO2-Ausstoßes. Die Bundesregierung müsse die Rahmenbedingungen ändern, forderte Graichen: «Ohne Windkraft werden wir weder den Kohleausstieg noch die Klimaschutzziele erreichen.»

Text:DPA/Verivox Photo by Martin Adams on Unsplash




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