Energie in Zukunft ohne Kohle möglich?

  • 0

Energie in Zukunft ohne Kohle möglich?

Energiewende ohne Kohle und Atom machbar?

*“Bis Ende 2021 werden die Kernkraftwerke Grohnde, Gundremmingen C und Borkdorf vom Netz gehen. Die drei jüngsten Anlagen Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 werden spätestens Ende 2022 abgeschaltet. Bis spätestens Ende 2038 soll in einem festen Stufenplan das letzte Kohlekraftwerk abgeschaltet werden.“ *bundesregierung.de

Ist das zu Ende gedacht?

Dazu ein Beitrag von Sebastian Langer, Mitarbeiter eines Braunkohlekraftwekes in der Lausitz.

Hallo an alle Weltverbesserer der Bundesrepublik Deutschland,

ich bin stolzer Mitarbeiter eines Braunkohle-Kraftwerksbetreibers in der Lausitz. Ich habe es satt seit geraumer Zeit als „Schande Deutschlands“, als „Drecksschleuder“ und vor allem als „unnütz und unwichtig“ betitelt zu werden. Am gestrigen Tage, den 07.10.2021, hat die Megawattstunde Strom an der Börse 442€ gekostet.
Für den ein oder anderen Leihen mag diese Zahl jetzt erst einmal nichts bedeuten, aber zum Vergleich kostete die Megawattstunde vergangenes Jahr im Durschnitt 30,47€. Dieses Jahr liegen wir bei 71,67€ pro Megawattstunde. Und trotz der stetig steigenden CO2-Preise ist die Braunkohleverstromung dieses Jahr mit 56% an der deutschen Stromproduktion beteiligt. So viel zu Thema „Die Kohle wird nicht mehr gebraucht“.

Kommen wir zurück zum gestrigen Tag

In den Mittagsstunden konnte die Solar-Einspeisung mit 21 GW in Verbund mit den konventionellen Kraftwerken, welche weiterhin in den oberen Arbeitspunkt fuhren, den erhöhten Strombedarf von 68 GW decken.Als gegen 19:00 Uhr die Sonne wieder unterging (0 GW) und Wind-Energie immer noch keine Nennenswerte Einspeisung (1,5 GW) brachte, fielen wir in das nächste „Loch“ und konnten den Strombedarf von 65 GW wiedermals nur durch 9 GW Stromimporte decken. Der Strompreis klettere inzwischen auf die oben genannten 442,90€ pro Megawattstunde.

Wir kommen heute schon an manchen Tagen an unsere Reserven in der Stromerzeugung

Bis Ende 2023 gehen 14.893 GW installierte Leistung im Zuge des Atom- und Kohleaustieges endgültig vom Netz. Wie sollen wir dann unsere Stromversorgung sichern, wenn wie heute eben kein Wind und keine Sonne zu Verfügung steht. Selbst wenn wir die Erneuerbaren weiter ausbauen, sodass wir in Deutschland Slalom um Windräder fahren und auf jeden Dach Solar-Anlagen haben, ist eine sichere Stromversorgung rund um die Uhr nicht möglich. Wenn die Sonne eben nicht scheint und der Wind nicht weht, gibt es eben keinen Strom. Und ob es so schlau ist, sich die ganze Zeit von Stromimporten aus dem Ausland abhängig zu machen, wage ich zu bezweifeln.
Strom muss in einem Industrieland wie Deutschland bezahlbar und vor allem rund um die Uhr zu Verfügung stehen. Keiner sagt, dass die Kohleverstromung das Non-Plus-Ultra ist und nie enden wird. Ja, wir müssen an unsere Umwelt denken, aber eben nicht Hals über Kopf. Stand jetzt sind wir nun mal unersetzlich um die Stromversorgung zu sicheren. Die Energiewende geht nur gemeinsam, Hand in Hand mit neuen Technologien. Denn wenn eine neue Brücke gebaut wird, dann wird diese auch erst eröffnet, wenn alles fertig gebaut wurde. Und eben nicht wie bei der Energiewende, wo die Brücke mit den Worten „bis ihr hinter gefahren seid, sind wir fertig“ geöffnet wird obwohl noch die Hälfte fehlt.

GLÜCK AUF

Quelle: ©Text+Foto Sebastian Langer / Vorschaubild: Bild by das_butzele ist lizenziert unter CC BY-NC 2.0


  • 0

CO2-Ausstoß in Deutschland rückläufig

Die Energiewende hat den Treibhausgas-Ausstoß in Deutschland Experten zufolge im vergangenen Jahr auf ein Rekordtief gedrückt. Im Vergleich zu 1990 seien die CO2-Emissionen um etwa 35 Prozent gesunken, heißt es in der Jahresauswertung der Denkfabrik Agora Energiewende, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Damit sei das 40-Prozent-Ziel für das nun laufende Jahr überraschend doch wieder «in greifbarere Nähe» – bisher gingen Bundesregierung und Umweltschützer davon aus, dass das nichts mehr werden kann.

Saubere Stromproduktion

Der Rückgang von mehr als 50 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) im Vergleich zum Vorjahr gehe allerdings nur auf die Stromproduktion zurück. Die Erneuerbaren Energien – also Wind-, Solar- und Wasserkraft sowie Biomasse – hätten einen Rekordanteil von 42,6 Prozent des Bruttostromverbrauchs gedeckt, heißt es in der Auswertung weiter. Der gestiegene CO2-Preis der EU für die Energiewirtschaft habe die klimaschädliche Stromgewinnung aus Stein- und Braunkohle weniger rentabel gemacht, sie sei deswegen stark zurückgegangen. Die Stromproduktion aus Erdgas habe deutlich zugelegt. Erdgas ist zwar auch ein fossiler Brennstoff, aber weniger klimaschädlich als Kohle.



Verbrauch von Diesel und Benzin gestiegen

Im Verkehr dagegen seien die Treibhausgas-Emissionen sogar gestiegen – auch wegen des SUV-Trends. Diese Fahrzeuge sind groß und verbrauchen vergleichsweise viel Sprit, ihr Absatz steigt trotz der Klimaschutz-Debatte in Deutschland stark. Der Verbrauch von Diesel und Benzin nahm 2019 zu. Dasselbe gilt für Heizöl – dabei spielte nach Einschätzung von Agora-Direktor Patrick Graichen aber eine große Rolle, dass Heizöl-Tanks auf Vorrat gefüllt wurden.

Die bisherige nationale Klimapolitik von Union und SPD hat nach Einschätzung Graichens wenig bis nichts mit dem Fortschritt im Klimaschutz zu tun: «Das ist ihnen in den Schoß gefallen», sagte er. Der Stromverbrauch erreichte Agora Energiewende zufolge im vergangenen Jahr den niedrigsten Stand seit der Jahrtausendwende. Das liege aber am geringeren Wirtschaftswachstum und der konjunkturellen Lage der energieintensiven Industrien, etwa des Stahlsektors.

Experte: Ökostrom-Lücke droht

Zudem warnte Graichen, dass mit den Rekordmeldungen aus dem Ökostrom-Bereich bald Schluss sein dürfte – stattdessen drohe eine «Ökostrom-Lücke». Ein Grund: Der Anteil an Atomstrom lag 2019 noch bei 12 Prozent, zum Ende des Jahres ist das AKW Philippsburg vom Netz gegangen. Ende 2022 soll der Atomausstieg abgeschlossen sein. Außerdem soll etwa beim Verkehr Strom – und zwar Ökostrom – zunehmend Mineralöl als Antrieb ersetzen.

Betrachtet man nicht den Stromverbrauch, sondern den gesamten Energiemix, haben die erneuerbaren Energien bisher nur einen Anteil von knapp 15 Prozent. Da zugleich der Ausbau vor allem von Windrädern nicht mehr so schnell vorankommt, wie Energiewende-Experten es für notwendig halten, könne Kohlestrom den Atomstrom teilweise ersetzen – zulasten des CO2-Ausstoßes. Die Bundesregierung müsse die Rahmenbedingungen ändern, forderte Graichen: «Ohne Windkraft werden wir weder den Kohleausstieg noch die Klimaschutzziele erreichen.»

Text:DPA/Verivox Photo by Martin Adams on Unsplash




Live Search

Blog